Gastbeitrag von Leni Wichmann
Mut wirkt oft wie etwas, das manche Menschen einfach besitzen – und andere nicht. Doch in meiner Arbeit mit Yoga, Atemarbeit und Eisbaden erlebe ich immer wieder das Gegenteil: Mut ist kein Persönlichkeitsmerkmal. Mut ist trainierbar. Wie das funktioniert, zeige ich dir in diesem Artikel.
Unser Körper kann lernen, mit intensiven Situationen umzugehen – Schritt für Schritt. Eine der kraftvollsten Erfahrungen dafür ist das Eisbaden.
Nicht, weil es extrem ist. Sondern, weil es uns etwas sehr Grundlegendes zeigt: Wir können lernen, ruhig zu bleiben, auch wenn im Außen alles wild erscheint. Und genau darin liegt der Kern von Resilienz.
Resilienz bedeutet: innen stabil bleiben, wenn es außen turbulent wird
Im Alltag erleben wir ständig kleine und große Stressmomente:
- eine schwierige Entscheidung
- ein Konflikt
- eine neue Herausforderung
- Unsicherheit über die Zukunft
Unser Nervensystem reagiert darauf oft mit Anspannung. Der Atem wird flach, der Körper zieht sich zusammen, der Kopf beginnt zu kreisen.Resilienz bedeutet nicht, dass diese Situationen verschwinden. Resilienz bedeutet, im Inneren stabil zu bleiben, während es im Außen turbulent ist.
Und genau das lässt sich trainieren. Ein überraschend effektiver Trainingsraum dafür ist kaltes Wasser.
Eisbaden als Muttraining
Der Moment vor dem Einstieg ins kalte Wasser ist für viele Menschen sehr intensiv.
Der Kopf sagt vielleicht:
Das ist zu kalt.
Das schaffe ich nicht.

Doch wenn man den Schritt wagt und ins Wasser geht, passiert etwas Spannendes. Der Körper reagiert zunächst mit einem starken Reiz. Doch wenn wir beginnen, bewusst zu atmen, beruhigt sich das System erstaunlich schnell. Nach wenigen Momenten entsteht eine neue Erfahrung:
Ich bin noch da.
Ich bin sicher.
Ich kann das.
Genau hier entsteht Mut.
Denn jedes Eisbad setzt einen neuen Referenzpunkt im Nervensystem. Der Körper speichert: Diese intensive Situation habe ich erlebt – und ich bin gut hindurchgekommen.
Mit jedem weiteren Mal wächst dieses Vertrauen. Viele Menschen berichten deshalb, dass das Eisbaden nicht nur im Wasser wirkt, sondern auch im Alltag: Plötzlich erscheinen Herausforderungen weniger bedrohlich.
Der Körper erinnert sich:
Ich habe schon ganz andere Situationen gemeistert.
Der Atem – die Fernbedienung unseres Nervensystems
Der wichtigste Schlüssel beim Eisbaden ist der Atem. Wenn wir ins kalte Wasser gehen, reagiert der Körper zunächst mit einem schnellen Atemreflex. Das ist ein natürlicher Schutzmechanismus. Doch sobald wir beginnen, bewusst und ruhig zu atmen, verändert sich etwas Grundlegendes.
Der Atem wirkt wie eine Fernbedienung für unser Nervensystem.
Langsame, tiefe Atemzüge signalisieren dem Körper: Es ist alles in Ordnung. Diese Erfahrung ist unglaublich wertvoll – nicht nur im Wasser, sondern auch im Alltag. Denn sie zeigt uns: Wir haben ein Werkzeug dabei, das jederzeit verfügbar ist.
Unseren Atem!
Bewegung bringt Energie zurück in den Körper
Neben dem Atem spielt auch Bewegung eine wichtige Rolle.
Viele Menschen versuchen, Stress oder Unsicherheit rein mental zu lösen. Doch unser Körper braucht oft etwas anderes: Bewegung. Yoga ist dafür ein wunderbares Werkzeug.
Schon wenige Minuten Bewegung können helfen,
- den Atem zu vertiefen
- Spannungen im Körper zu lösen
- den Fokus wieder ins Hier und Jetzt zu bringen
Im Yoga verbinden sich Atem und Bewegung zu einem Rhythmus. Dieser Rhythmus beruhigt das Nervensystem und schafft Raum für Klarheit. Eine besonders kraftvolle Praxis sind Sonnengrüße. Sie bringen Energie ins Fließen und schaffen eine Verbindung zwischen Kraft, Fokus und Atem.
Ätherische Öle – kleine Impulse mit großer Wirkung
Ein weiterer Zugang, der oft unterschätzt wird, ist der Geruchssinn. Unser olfaktorisches System ist direkt mit dem limbischen System im Gehirn verbunden – dem Bereich, der Emotionen verarbeitet. Deshalb können Düfte unsere Stimmung sehr schnell beeinflussen.
Ein paar Tropfen ätherisches Öl auf den Handflächen, ein tiefer Atemzug – und der Körper reagiert sofort. Zitrusöle wie Orange wirken beispielsweise belebend und stimmungsaufhellend. Andere Düfte können beruhigen oder Klarheit fördern. Diese kleinen Rituale helfen uns, wieder in Verbindung mit unseren Sinnen zu kommen – und damit auch mit uns selbst.
Warum Natur uns so schnell reguliert
All diese Elemente – Atem, Bewegung, Kälte, Duft – haben noch etwas gemeinsam: Sie bringen uns zurück in Kontakt mit der Natur.
In der Natur reguliert sich unser Nervensystem oft erstaunlich schnell.
Der Wind auf der Haut.
Der Duft der Pflanzen.
Das Rauschen des Meeres.
Viele Menschen spüren dort sofort eine Veränderung: Der Atem wird tiefer, der Kopf ruhiger, der Körper entspannter. Deshalb sind Naturerfahrungen ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit. Sie erinnern uns daran, dass wir selbst Teil dieser natürlichen Rhythmen sind.
Kleine Schritte, große Wirkung
Der wichtigste Punkt ist jedoch: Es braucht nicht immer große Veränderungen.
Mut, Resilienz und innere Stärke entstehen oft in kleinen Momenten.
Ein bewusster Atemzug.
Ein paar Minuten Bewegung.
Ein kurzer Moment im kalten Wasser.
Ein Duft, der uns zurück in den Körper bringt.
Diese kleinen Erfahrungen setzen neue Referenzpunkte. Und mit jedem dieser Momente wächst das Vertrauen in die eigene Kraft ein Stück weiter. Mut ist also nichts, was wir erst finden müssen.
Mut ist etwas, das wir trainieren können.
Atemzug für Atemzug.
Hast du Eisbaden schon einmal ausprobiert?
Über die Autorin

Leni Wichmann ist Yogalehrerin, Aromatherapeutin im Bereich Wellness und Prävention sowie RECONNECTING Coach. Mit ihrem Ansatz LENI RECONNECTING – WITH NATURE AND YOURSELF begleitet sie Menschen zurück in ihre eigene Kraft – durch Yoga, Atemarbeit, Eisbaden, ätherische Öle und intensive Naturerfahrungen.
Ihre eigene Reise begann in einer Phase der Erschöpfung. Yoga, Natur, ätherische Öle und das kalte Wasser haben ihr Schritt für Schritt geholfen, wieder Zugang zu ihrer Lebenskraft zu finden. Heute verbindet sie diese Erfahrungen in ihrer Arbeit und schafft Räume, in denen Menschen wieder spüren können, wie viel Stärke bereits in ihnen liegt.
Weitere Infos zu Leni findest du hier:
Leni bietet im März ein Retreat an.
Rise into the New – ein Retreat für deinen Neubeginn

Genau um diese Erfahrung geht es im Retreat „Rise into the New“. Es findet vom 26.–29. März 2026 im Hotel Das Kubatzki in St. Peter-Ording statt – direkt am Meer, umgeben von Weite, Wind und Natur. Gemeinsam erleben wir:
- tägliche Yoga-Sessions
- Atemarbeit
- Eisbaden
- Naturerfahrungen
- Aromatherapie
- ein kraftvolles Ritual mit 108 Sonnengrüßen
Die Zeit rund um die Frühlings-Tagundnachtgleiche ist ein besonderer Moment im Jahr: Tag und Nacht sind im Gleichgewicht, das Licht kehrt zurück, die Natur beginnt neu zu wachsen. Es ist die perfekte Zeit, um auch deinen eigenen Neubeginn bewusst zu gestalten.
Das Retreat ist in Kooperation mit dem FLOW Magazin entstanden – einem Magazin für persönliche Entwicklung, Kreativität und ein bewussteres Leben.
Weitere Infos findest du hier: https://www.das-kubatzki.de/flow-retreat

