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Während der Elternzeit in die Selbstständigkeit: Zwischen Sehnsucht, Zweifel und dem Mut, mich selbst ernst zu nehmen

Gastbeitrag von Vanessa Lagnach

Es passierte oft in diesen ganz normalen Momenten während der Elternzeit. Beim Einschlafen der Kinder. Beim Aufräumen der Küche. Oder wenn ich abends erschöpft aufs Sofa sank. Plötzlich tauchte dieser Gedanke auf: Will ich wirklich wieder zurück in meinen alten Job? Ich spürte in diesem Moment ein leises Ziehen im Bauch. Nicht, weil ich nicht arbeiten wollte, sondern weil sich der Gedanke, wieder in das alte System zurückzugehen, plötzlich falsch anfühlte. Und genau da begann eine ganz neue Frage: Was wäre, wenn ich meinen eigenen neuen Weg gehe und nicht zurück in meinen alten Job?

Viele Mamas kennen dieses Gefühl – so wie ich. Das weiß ich aus unzähligen ehrlichen Gesprächen mit Mamas in Cafés, auf Spielplätzen oder während Kinderkursen. Da ist dieses tiefe Glück über meine Kinder – und gleichzeitig regt sich leise etwas in einem. Ein Wunsch nach mehr. Nach etwas Eigenem. Nach einem beruflichen Weg, der sich richtig anfühlt und nicht wie „zurück in den alten Job“.

Die Elternzeit veränderte mich. Meine Werte verschoben sich. Was früher selbstverständlich war – Überstunden, Leistungsdruck, Funktionieren – fühlte sich plötzlich nicht mehr stimmig an. Und trotzdem war da diese große Frage: Darf ich mir das überhaupt erlauben, mich als Mama während der Elternzeit selbstständig zu machen? Ist das nicht egoistisch? Und was, wenn ich scheitere?

Nur wenn ich daran dachte, wieder zurück in meinen alten Job zu müssen, kam mir nicht nur ein gedankliches „Eigentlich will ich das nicht“, sondern ein richtiges Ziehen im Bauch. Ein Druck auf der Brust. Als würde der ganze Körper leise protestieren.

Ich war so lange ausschließlich für die Kinder da. Habe den Alltag neu organisiert, Prioritäten verschoben, mich selbst anders kennengelernt. Und plötzlich soll ich wieder in ein System zurück, in dem jemand anderes bestimmt, wann ich arbeite, wie viel Energie ich investiere und wofür.

Für mich fühlte es sich nach einem inneren Widerspruch an. Als würde man meine Zeit und Kraft in etwas stecken, das gar nicht mehr zum eigenen Herzensthema passt. Fast wie verschwendete Ressourcen. Zwischen Windeln, Brotdosen, Kita-Listen und Einschlafbegleitung entstand ein neues inneres Bedürfnis: nicht nur für andere da zu sein, sondern auch für mich selbst. Die Selbstständigkeit tauchte dann oft nicht als lauter Plan auf, sondern als leiser Gedanke. Als „Was wäre, wenn …?“.

Auch eine Freundin erzählte mir davon, dass es bei ihr mit einer kleinen Anfrage begann. Eine andere Frau berichtete mir, dass es eine Idee war, die immer wieder auftaucht. Wieder eine andere schilderte mir ein Gefühl, dass da Fähigkeiten in ihr schlummerten, die im alten Job nie richtig Platz hatten. Und genau da begannen auch meine inneren Kämpfe.

Fotocredits: Michaela Schäfer Fotografie

Zwischen Sicherheitsdenken und Selbstzweifeln

Der Gedanke an meine Selbstständigkeit kam nicht leichtfüßig. Er kam mit Angst.

  • Angst vor finanzieller Unsicherheit.
  • Angst, dem Partner „nicht genug beizutragen“.
  • Angst, die Sicherheit von Sozialversicherung und Rente loszulassen….

Und dann diese innere Stimme:

  • Was, wenn ich mich überschätze?
  • Was, wenn ich scheitere – sichtbar für alle?

Dazu kamen die Zweifel von außen. Nicht böse gemeint, aber trotzdem verletzend:

  • „Hast du denn schon Kundinnen?“
  • „Ist das nicht riskant?“
  • „Willst du dir das wirklich antun?“

Solche Fragen trafen oft genau die Punkte, über die ich selbst sowieso schon nachdachte. Sie verstärkten die Unsicherheit und ließen mich wieder einen Schritt zurückgehen.

Was von vielen Menschen übersehen wird: Der Weg in die Selbstständigkeit mit Kindern ist nicht nur ein beruflicher Schritt. Es ist ein emotionaler Prozess. Es geht darum, alte Rollenbilder loszulassen. Die der „vernünftigen“, sicheren, angepassten Frau. Und sich zu erlauben, wieder als Mensch mit eigenen Träumen sichtbar zu werden – nicht nur als Mama im Funktionsmodus.

Denn eines wurde für mich in der Elternzeit immer klarer: Einen Weg zurück in das alte 9-to-5-System fühlt sich plötzlich undenkbar an. Der ganze Körper schreit förmlich „Nein“.

Nicht, weil ich nicht arbeiten möchte. Ganz im Gegenteil. Ich spürte gerade nach der Elternzeit wieder diese Lust, etwas zu bewegen. Etwas Eigenes zu gestalten. Verantwortung zu übernehmen. Aber eben auf eine Art, die zum eigenen Leben passt.

Gruenderin von Webherz, Vanessa, Elternzeit
Fotocredits: Michaela Schäfer Fotografie

Raum finden im vollen Alltag mit Kindern in der Elternzeit

Ich fragte mich: Wann soll ich das bitte machen? Zwischen Kita, Haushalt, Terminen, Mental Load und Nächten, die selten ruhig sind?

Die ehrliche Antwort und ich spreche aus Erfahrung: Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt, um sich als Mama selbstständig zu machen. Der Alltag wird nicht plötzlich leiser. Raum entsteht nicht durch ideale Bedingungen, sondern durch bewusste Entscheidungen.

Manchmal sind es nur kleine Zeitfenster. Eine Stunde am Abend. Ein Vormittag in der Woche. Kleine Schritte, die sich erst später wie ein Weg anfühlen.

Ich startete genau dort. Zwischen Mittagsschlaf und Wäschekorb. Mit dem Laptop am Küchentisch. Mit Notizen im Handy während ich auf dem Spielplatz sitze.

Es ist kein glamouröser Anfang. Es ist eher ein vorsichtiges Herantasten. Und gleichzeitig passiert dabei etwas Entscheidendes: Man merkt, dass diese Idee im Kopf langsam Realität wird. Dass aus einem Gedanken erste kleine Schritte entstehen.

Und ja – dann sind da auch die rechtlichen Fragen rund um die Selbstständigkeit während der Elternzeit:

  • Freiberuflich oder gewerblich?
  • Was ist mit Steuern?
  • Wie funktioniert das mit der Krankenversicherung während der Elternzeit?
  • Muss ich meinem Arbeitgeber kündigen oder ist ein Aufhebungsvertrag besser?

Das wirkt erstmal überwältigend. Aber all das ist klärbar – Schritt für Schritt. Oft hilft ein Gespräch mit einem Steuerberater, ein Blick auf die Website des Finanzamts oder der Austausch mit anderen selbstständigen Mamas. Was viel schwerer ist: sich innerlich zu erlauben, überhaupt loszugehen. Denn dieser Schritt bedeutet auch, Verantwortung für den eigenen Weg zu übernehmen.

Wenn aus „Ich könnte“ ein „Ich mache das jetzt“ wird

Der Moment der Entscheidung fühlt sich selten heldenhaft an. Eher so, als würde man sein eigenes Sicherheitsnetz durchtrennen. Bei mir war es ein stilles, zähes Ringen mit mir selbst. Viele Nächte mit einem vollen Kopf, mit Rechnungen im Gedankenkarussell und der Angst, mich zu verrennen. Ich habe mich oft klein gemacht in meinen Gedanken. Mir eingeredet, dass andere das besser können. Dass Sicherheit vernünftiger ist. Und gleichzeitig wurde dieses Gefühl immer lauter, dass es für mich nicht mehr stimmig ist, in ein System zurückzugehen, das mir mehr Energie nimmt als gibt.

Auch das Gespräch mit meinem Arbeitgeber habe ich lange vor mir hergeschoben. Wochenlang. Vielleicht sogar länger. Allein der Gedanke daran hat mir einen Kloß im Hals gemacht. Es fühlt sich tatsächlich ein bisschen so an, als würde man ins Leere springen. Man verlässt etwas, das man kennt. Etwas, das vermeintliche Sicherheit verspricht. Und geht stattdessen in eine Richtung, bei der noch vieles unklar ist.

Als ich dieses Gespräch dann endlich geführt habe, war da zuerst eine Mischung aus Erleichterung und Unsicherheit. Aber nach einer gewissen Zeit hat sich etwas ganz Entscheidendes verändert. Nicht äußerlich. Mein Alltag mit den Kindern war immer noch genauso voll. Die Zeitfenster waren immer noch klein. Aber innerlich hatte sich etwas verschoben.

In dem Moment, in dem ich mich zu 100 Prozent für meine Selbstständigkeit entschieden hatte, konnte ich mein Business endlich wirklich ernst nehmen. Es war nicht mehr nur eine Idee nebenbei. Kein „Vielleicht irgendwann“. Sondern etwas, für das ich bewusst losgehe. Und genau diese innere Klarheit verändert unglaublich viel.

Vielleicht ist Selbstständigkeit nicht für jede Mama der richtige Weg. Aber jede Mama darf sich erlauben, diese Sehnsucht ernst zu nehmen. Und ihr Raum zu geben. Denn unsere Kinder lernen nicht nur aus dem, was wir ihnen sagen.

Sie lernen aus dem, was wir uns selbst erlauben. 💛

Über mich

Elternzeit

Hi, ich bin Vanessa.

Ich bin gebürtige Schweizerin, lebe im Schwabenland und bin seit über 10 Jahren mit einem Marokkaner verheiratet. Multikulti. So wachsen auch unsere beiden Jungs auf – ziemlich kunterbunt. Mittlerweile passe ich nicht mehr in eine Schwarz-Weiß-Arbeitswelt. Mir wurde das System zu eng. Ich mag es nicht nur in meinem Privatleben bunt. Ich will Klarheit ohne Druck, Tiefe ohne Drama und einen Weg, der Platz lässt für mein Mama-Leben. 💫

Ich habe erfahren, wie schwer es ist, sich aus alten beruflichen Korsetts zu lösen. Und ich weiß, wie sich Selbstständigkeit zwischen Brotdosen, Terminen und schlechtem Gewissen anfühlt – weil ich genau dort angefangen habe.

Heute begleite ich selbstständige Mamas auf dem Weg zu ihrer eigenen Website – einer Website, die nicht nur professionell aussieht, sondern sich auch wirklich nach ihnen anfühlt. Dabei verbinde ich meine langjährige Online-Marketing-Erfahrung mit dem Wissen, wie sich Business und Mama-Alltag wirklich anfühlen.

Mehr über mich und meine Arbeit findest du unter:

Fotocredits: Michaela Schäfer Fotografie

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